Röhrenspanplatte: Aufbau, Eigenschaften und Verwendung
Die Röhrenspanplatte ist eine Leichtbauplatte aus verpressten Holzspänen und Bindemittel, die im Inneren parallele röhrenförmige Hohlräume hat. Sie entsteht im Strangpressverfahren und wird vor allem als Einlage (Mittellage) von Innentüren verwendet. Gegenüber einer vollen Spanplatte ist sie leichter, gegenüber einer Wabeneinlage stabiler.
Aufbau einer Röhrenspanplatte
Die Platte wird im sogenannten Stangenpressverfahren (auch Strangpressverfahren) hergestellt. Holzspäne und Bindemittel werden durch eine Form gepresst, deren Ober- und Unterseite glatt sind. In der Mitte der Form liegen parallele Stangen über die gesamte Länge, die beim Pressen die Hohlräume aussparen. Das Ergebnis ist eine Platte mit glatten Oberflächen und durchgehenden, luftgefüllten Röhren im Inneren. Fachleute sprechen auch von einer Strangpressplatte. Die Norm DIN EN 14755 beschreibt Strangpressplatten mit Hohlräumen und gibt an, dass sie nicht tragend sind und im Trockenbereich eingesetzt werden.
Wie der Aufbau aussieht, zeigen die beiden Bilder. Im ersten Bild sind die Röhren in der Spanplatte gut zu sehen.
Das zweite Bild zeigt eine aufgeschnittene Röhrenspanplatte, hier aus einer Zimmertür.
Entwicklung der Röhrenspanplatte durch Otto Kreibaum
Die Röhrenspanplatte geht auf den Möbelhersteller Otto Kreibaum zurück. Er pachtete 1928 eine Tischlerei in Lauenstein bei Salzhemmendorf in Niedersachsen. Der Firmenname OKAL leitet sich von seinem Namen ab: Otto Kreibaum aus Lauenstein. Nach der Chronik der Gemeinde Salzhemmendorf wuchs der Betrieb bis 1938 auf rund 500 Mitarbeiter.
Historischer Hintergrund
Der Betrieb überstand mehrere Rückschläge, darunter einen Brand 1933 und eine Explosion in der Lackiererei im April 1940. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Rohmaterial knapp. Überliefert ist, dass Kreibaum deshalb grobe Sägespäne aus der Möbelherstellung als Rohstoff nutzte. 1949 entwickelte und patentierte er die Röhrenspanplatte und das Strangpressverfahren. Die Chronik nennt für 1953 ein neues Spanplattenwerk in Bayern und das erste OKAL-Haus, ab 1959 stellte das Unternehmen auf den Fertighausbau um.
Röhrenspanplatte in Türen
Das bekannteste Einsatzgebiet ist die Mittellage von Innentüren. Die Tür besteht dann aus einem Rahmen, der Röhrenspanplatte als Kern und den Deckschichten auf beiden Seiten.
Röhrenspantür
Eine Röhrenspantür hat einen Röhrenspankern. Weil die Röhren Luft einschließen, ist die Tür leichter als eine mit Vollspaneinlage. Das senkt das Gewicht beim Transport und beim Einbau. Das Material ist ein Zwischenweg zwischen sehr leichten und sehr schweren Türkernen.
Einsatzbereiche
Nach der Einordnung des Türenherstellers Steinau eignet sich die Röhrenspanplatte für mittel bis stark beanspruchte Türen. Für den normalen Wohnbereich ist sie ein verbreiteter Kern. Auch Möbel und Einbauteile können eine Röhrenspanplatte als Leichtbauplatte nutzen, tragende Aufgaben sind nach der Norm ausgeschlossen.
Röhrenspanplatte, Vollspanplatte und Wabenkern im Vergleich
Bei Innentüren sind drei Türkerne üblich: Wabe, Röhrenspan und Vollspan. Der Hersteller Steinau ordnet sie so ein:
| Türkern | Gewicht | Stabilität und Belastung |
|---|---|---|
| Wabe | sehr leicht | für wenig beanspruchte Innentüren |
| Röhrenspan | mittleres Gewicht | stabiler als Wabe, für mittel bis stark beanspruchte Türen |
| Vollspan | hohes Gewicht | sehr stabil, auch für Türen mit Lichtausschnitt und stark beanspruchte Türen |
Was ist besser, Röhrenspan oder Vollspan?
Das hängt vom Einsatz ab. Vollspan ist stabiler und schwerer, das lohnt sich bei stark beanspruchten Türen oder wenn die Tür einen Glasausschnitt hat. Röhrenspan ist leichter und reicht für die meisten Türen im Wohnbereich. Eine pauschal bessere Platte gibt es nicht.
Wabe gegen Röhrenspan
Der Wabenkern ist deutlich leichter und weniger belastbar. Er ist für Türen gedacht, die selten stark beansprucht werden. Mehr dazu lesen Sie bei den Wabenkerninnentüren.
Vor- und Nachteile der Röhrenspanplatte
Ist Röhrenspan gut?
Als Türkern ist die Röhrenspanplatte eine solide Mittellösung. Vorteile sind das geringere Gewicht gegenüber der vollen Spanplatte und die glatte, gleichmäßige Oberfläche. Nachteile sind die geringere Festigkeit gegenüber Vollspan und die Beschränkung auf den Trockenbereich.
Schallschutz: Absorption statt Dämmung
Geschlitzte Röhrenspanplatten werden als Akustikplatten eingesetzt. Dabei ist eine Seite mit Schlitzen versehen, sodass der Schall in die Hohlräume eindringt und dort teilweise absorbiert wird. Das verbessert die Raumakustik, also den Nachhall im Raum. Das ist etwas anderes als Schalldämmung zwischen zwei Räumen. Für den Schallschutz einer Tür kommt es auf die Gesamtkonstruktion an, nicht allein auf den Kern. Verlässliche Werte nennen die Herstellerangaben.