Tonnendach: Formen, Eindeckung, Kosten, Vor- und Nachteile

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Tonnendach: Bedeutung und Erklärung

Zuletzt aktualisiert am 14.10.2026

Was ist ein Tonnendach?

Ein Tonnendach ist eine gewölbte Dachform, dessen Querschnitt einer halben liegenden Tonne oder einem Kreissegment entspricht. Die Dachfläche ist zylindrisch, ein First ist nicht erkennbar. Umgangssprachlich heißt die Form auch Rundbogendach.

Anders als beim Satteldach besteht die Dachfläche nicht aus zwei ebenen Flächen, sondern aus einer durchgehenden Wölbung. Das klassische Tonnendach kann als Bogendach bezeichnet werden. Der Begriff Bogendach ist aber weiter gefasst und wird zum Teil für die flacher gewölbte Variante verwendet, bei der nur ein Kreissegment zu sehen ist.

Formen des Tonnendachs

  • Rundtonnendach: die klassische Halbkreisform.
  • Spitztonnendach: Die Wölbung läuft nach oben spitz zu.
  • Zollinger-Dach: eine Sonderform aus vorgefertigten, rautenförmig miteinander verbundenen Holzelementen. Sie lässt sich nach Herstellerangaben schneller und günstiger errichten, braucht aber regelmäßige Wartung. Ihr Patent geht auf Friedrich Zollinger (1923) zurück.
  • Flach gewölbtes Tonnendach: Es wird oft als Bogendach bezeichnet. Je flacher die Wölbung, desto weniger Nachteile bringt die Form mit sich.

Skizze eines Tonnendaches

Tonnendach

Tragwerk, Dachkonstruktion, Eindeckung und Dämmung

Das Dach wird von gebogenen Trägern aus Holz oder Stahl getragen. Das Gewicht verteilt sich gleichmäßig auf die Außenwände, ein Spannkreuz dient als aussteifende Querverbindung. Große Grundrisse lassen sich so überdachen.

  • Eindeckung: Herkömmliche Dachziegel scheiden bei stark gewölbten Flächen aus. Üblich sind Titanzink, Kupfer oder Stahl, auch eine Dachbegrünung ist möglich. Bei schwach gewölbten Dächern ist die Wahl der Eindeckung freier.
  • Dämmung und Schallschutz: Dämmung und Schalldämmung sind aufwendiger als beim Steildach, zudem verstärkt die Wölbung Geräusche.
  • Dachfenster: Bei stark gewölbten Dächern sind Dachfenster nicht ohne Weiteres möglich. Bei flacher Wölbung ist der Einbau einfacher.
  • Photovoltaik: Auf stark gewölbten Dächern lassen sich nach Herstellerangaben keine Module anbringen, bei schwacher Wölbung ist das möglich. Daneben gibt es Indach-Lösungen, die in die Dachfläche integriert werden.

Abstandsflächen und Wohnfläche beim Tonnendach

Die Berechnung der Abstandsflächen ist beim Tonnendach aufwendig und nicht einheitlich geregelt, maßgeblich ist die jeweilige Landesbauordnung. Ein Verfahren aus der Fachliteratur teilt dafür den Bogen nach Dachneigung ein. Für die Giebelfläche gilt in mehreren Landesbauordnungen: bei mehr als 70 Grad Neigung wird die volle Giebelhöhe zur Wandhöhe gerechnet, bis einschließlich 70 Grad oft nur ein Drittel. Prüfen Sie den genauen Wortlaut in Ihrer Landesbauordnung.

Die Wohnfläche unter dem Bogen hängt dagegen von der lichten Höhe ab: Nach § 4 der Wohnflächenverordnung zählen Flächen mit mindestens 2 Metern lichter Höhe voll, Flächen mit mindestens 1 Meter bis unter 2 Metern zur Hälfte. Diese Angaben sind eine allgemeine Einordnung und ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung. Lassen Sie Ihren Einzelfall vor Vertragsschluss von einem Anwalt, Notar oder einer Verbraucherzentrale prüfen.

Vorteile und Nachteile des Tonnendachs

Vorteile

  • Auffällige Form: Das Tonnendach setzt einen gestalterischen Akzent.
  • Hohe Räume: Unter der Wölbung entstehen loftartige Räume mit großer Raumhöhe.
  • Gleichmäßige Lastverteilung: Große Spannweiten lassen sich ohne statische Probleme überdachen.
  • Begrünung: Bei schwacher Rundung sind Dachbegrünung und Photovoltaik möglich.

Nachteile

  • Eingeschränkte Eindeckung: Bei starker Wölbung sind nur wenige Materialien geeignet.
  • Aufwendige Dämmung: Wärme- und Schalldämmung sind anspruchsvoller als beim Steildach.
  • Aufwendigere Planung: Kalkulation und Statik verlangen mehr Fachwissen.
  • Bebauungsplan: Nicht jede Gemeinde lässt die Form zu.

Genehmigung und Bebauungsplan

Das Tonnendach ist in manchen Gemeinden nicht zugelassen. Nach Herstellerangaben lassen die meisten Bebauungspläne Tonnendächer bei Neubauten in reinen Wohngebieten nicht zu. Stimmen Sie die Dachform deshalb vor der Planung mit dem Bauamt und Ihrem Architekten ab.

Geschichte und Verwendung des Tonnendachs

Das Tonnendach gehört zu den ältesten Dachformen. Schon vor einigen Jahrtausenden v. Chr. wurde es unter anderem in Jericho eingesetzt. Historisch deckte es vor allem große Gebäude wie Hallen, Markthallen, Bahnhöfe und Kirchen.

Heute ist die Form im Wohnbau selten. Sie findet sich bei Industriebauten, oft als Reihe mehrerer Tonnendächer, außerdem bei individuellen Architektenhäusern, Anbauten, Gartenhäusern und Carports.

Was kostet ein Tonnendach?

Die Kosten lassen sich nur individuell ermitteln, die Quellen sind nicht einheitlich. Ein Dachfensterhersteller nennt für das Material rund 100 bis 160 Euro je Quadratmeter zuzüglich Arbeitskosten (ohne Jahresangabe, nur als Größenordnung). Titanzink ist deutlich teurer als einfaches Blech. Als Kostentreiber gelten Unterkonstruktion, Dämmung, Eindeckung, Entwässerung und Dachfenster. Ein anderer Hersteller beschreibt das Tonnendach als teurer als ein klassisches Dach. Eine erste Einordnung der Kosten für den Dachstuhl gibt der Ratgeber Was kostet ein Dachstuhl.

Häufige Fragen zum Tonnendach

Was ist der Unterschied zwischen Tonnendach und Bogendach?

Der Übergang ist fließend. Das Tonnendach hat im Querschnitt die Form einer halben liegenden Tonne, meist einen Halbkreis. Bogendach ist der weitere Begriff und wird zum Teil für die flacher gewölbte Variante verwendet, bei der nur ein Kreissegment zu sehen ist. Achten Sie in Plänen und Angeboten auf die Beschreibung des Querschnitts.

Welche Eindeckung eignet sich für ein Tonnendach?

Bei stark gewölbten Flächen kommen vor allem Titanzink, Kupfer und Stahl infrage, herkömmliche Dachziegel eignen sich nicht. Bei schwacher Wölbung ist die Wahl der Eindeckung freier. Die Materialwahl beeinflusst den Preis stark.

Was ist ein Spitztonnendach?

Ein Spitztonnendach ist eine Sonderform des Tonnendachs, bei der die Wölbung nach oben spitz zuläuft, statt einen Halbkreis zu bilden. Das Zollinger-Dach wird nach Herstellerangaben teilweise als Unterform des Spitztonnendachs beschrieben.

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